Retrospektive von Wolfgang Liebert im Kunst-Geschoss

Er entwickelte für sich die Leitlinie: „Gültiges erhalten und Ebenbürtiges hinzufügen.“ Dies ist auch ein Leitfaden der Retrospektive im Kunst-Geschoss.

Eine Retrospektive zum 75. Geburtstag des Potsdamer Malers Wolfgang Liebert ist bis zum 3. November in der Stadtgalerie Kunst-Geschoss in Werder (Havel) zu sehen. Wolfgang Liebert wurde am 4. Juli 1944 in Meseritz (heute Międzyrzecz, Polen) geboren. Nach dem Abitur im Potsdamer Helmholtz-Gymnasium schloss er 1971 ein Studium der Malerei und Grafik an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ab.  Danach war er als Maler, Grafiker und Kunstlehrer tätig.

Der Kurator des Kunst-Geschosses, Frank W. Weber, erinnerte an eine Kindheitserfahrung von Wolfgang Liebert: „1956 besuchte Wolfgang mit seiner Mutter die Alte Nationalgalerie in Berlin. Ausgestellt wurden Werke, die aus der Sowjetunion an die DDR zurück gegeben wurden.“ Prägende Eindrücke für Wolfgang Liebert: „Er begann diese Werke später nach Reproduktionen zu zeichnen. Er entwickelte für sich die Leitlinie: ,Gültiges erhalten und Ebenbürtiges hinzufügen.‘“ Dies sei auch ein Leitfaden der Retrospektive im Kunst-Geschoss.

Das Ende des Zweiten Weltkrieges, die Flucht aus seiner östlich der Oder gelegenen Heimat, das Fußfassen in neuer Umgebung seien einschneidende Erlebnisse eines Kleinkindes und später Jungerwachsenen gewesen. „Halt suchen und Halt finden - die schönen Künste boten ihm Halt“, so Frank W. Weber. Wolfgang Liebert habe immer wieder Gebende und Vermittelnde gefunden: Er war als Jugendlicher mehrere Jahre im Caputher Zeichenzirkel von Prof. Magnus Zeller und der Potsdamer Künstler Fritz Eisel gab ihm Hilfestellung bei der Mappe für die Aufnahmeprüfung an der Kunsthochschule Weißensee.

„Dort studierte er dann bei den Professoren Brendel, Womacka, Robbel und Mohr. Und er reflektierte das Erlebte, indem er selbst Dozent an der Fachschule für Werbung und Gestaltung Berlin-Schöneweide in der Außenstelle Potsdam wurde und später an der neugegründeten Fachhochschule Potsdam bis 1996 als Dozent unterrichtete.“ Seit 1996 arbeitet Wolfgang Liebert ausschließlich frei als Maler und Grafiker.

Wolfgang Liebert gliedert sein Werk in verschiedene Partien. Liebste Orte, Studienreisen in die damalige Sowjetunion, Thematik Heimat - hier und östlich der Oder. Diese Gliederung hat er in seinem, eigens für die Werderaner Ausstellung geschaffenen Katalog systematisch dargestellt. Der Katalog ist für 15 Euro im Kunst-Geschoss erhältlich.

 

 

Werder (Havel), 2.10.2019