„Wasser marsch“ bei der Jugendfeuerwehr

Mit ganz viel Wasser sind Werders Feuerwehrnachwuchs in den Ferien praktische Grundlagen der Feuerwehrarbeit vermittelt worden.

Foto: Stadt Werder (Havel)/ elfe
Foto: Stadt Werder (Havel)/ elfe

Ein sonniger Samstagvormittag an der Regattastrecke. Die Feuerwehrjugend der Blütenstadt wird hier heute einen Ausbildungsdienst absolvieren. Mit dem Mannschaftstransportfahrzeug der Feuerwehr Werder (Havel) treffen die Kinder ein, am gegenüberliegendem Wasserwanderrastplatz der Stadt wird das Feuerwehrlöschboot zu Wasser gelassen.

Sven Pabst, der leitende Jugendwart der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Werder (Havel) freut sich, dass er den zehn Kindern in Alter zwischen sechs und 15 Jahren damit ein Sommerferien-Highlight bieten kann. Während der Corona-Eindämmungsmaßnahmen hat er seine Truppe mit Hausaufgaben wie Feuerwehrrätseln, leichte Knotenkunde und Knobelaufgaben bei Laune gehalten.

Aber heute geht es wieder richtig zur Sache. „Drei Sommer-Ausbildungsdienste haben wir vorbereitet“, berichtet Sven Pabst. Während heute eine Hälfte der Gruppe mit dem Boot losfährt, lernt die andere Hälfte das Tanklöschfahrzeug der Feuerwehr kennen.

Knapp 100 Mädchen und Jungen sind bei der gesamten Freiwilligen Feuerwehr Werder (Havel) mit allen ihren Ortsteilen vertreten. Sven Pabst weiß um die Wichtigkeit der Nachwuchsgewinnnung für die anspruchsvollen Aufgaben der Feuerwehr. „Jedes gut ausgebildete Mädchen und jeder gut ausgebildete Junge ist wichtig. Mit einer guten Jugendarbeit setzten wir den ersten wichtigen Grundstein für eine weitere eventuelle Feuerwehrlaufbahn.“ Rund zehn Prozent bleiben dabei, ist seine Erfahrung.

Dass er bei der Feuerwehr bleibt, ist für Alexander Leipziger allerdings schon klar. Der 12-Jährige ist seit der ersten Klasse dabei. Mit leuchtenden Augen berichtet er, dass mit dem frühen Eintritt für ihn eine Ausnahme gemacht wurde. Denn er spielte schon immer Feuerwehrmann und wollte unbedingt dabei sein, ganz ohne familiären Hintergrund.

Nach der Ausbildung in der Kinder- und Jugendfeuerwehrschule dabei geblieben ist Florentine Heisinger. Als Zehnjährige erlernte sie das Feuerwehr-Abc in ihrer Heimat Sachsen-Anhalt. Vor einigen Jahren zog Florentine in die Blütenstadt und trat hier in die Freiwillige Feuerwehr ein und wurde schnell ein festes Mitglied der Jugendfeuer.

„Schau’ mal, eine Feuerwehr!“ - Während sich an der Regattastrecke neugierige Spaziergänger mit ihren Kindern versammeln, um das Treiben zu beobachten, muss sich die Gruppe konzentrieren. Sie lernen die Wasserentnahme aus einem offenen Gewässer kennen. Sven Pabst erklärt das Procedere, das sogar Bestandteil der Ausbildung zum „Truppmann“ ist, für die die Kinder heute hier noch zu jung sind.

Eine anspruchsvolle Aufgabe, bei der Zusammenarbeit gefordert ist. „Redet miteinander“, fordert Sven die Jungs und Mädchen immer wieder auf, sich durch Kommunikation und Teamarbeit der technischen Herausforderung zu nähern. „Da klappt noch nicht alles auf Anhieb, aber dafür, dass die Kinder das noch nie so gemacht haben, klappt es doch sehr gut.“

Helfende Hände sind ihnen heute sicher. Florentine unterstützt die Kinder bei der Wahl und Ausführung des Knotens bei der sichernden Arbeitsleine des Saugschlauches. „Mit welchem Knoten würdet ihr darangehen?“, versucht sie, vorhandenes Wissen abzufragen. „Ähem, diese Schlaufe …“, kommt zögerlich eine Antwort. „Ja“, antwortet Florentine. „Wir nehmen den Zimmermannsschlag. Dieser Knoten zieht sich unter Belastung zu“, erklärt sie.

„5000 Liter Wasser passen in das Tanklöschfahrzeug, zusätzlich noch 500 Liter Schaum“, erklärt Maschinist Andy Krause. „Mal rausfahren, draußen sein, das ist eine tolle Aktion für die Kinder“, sagt er. „Sonst sind sie ja viel auf dem Feuerwehrhof.“ Er zeigt auf die interessierten kleinen und großen Zuschauer an der Regattastrecke: „Gute Werbung, vielleicht melden sich ja welche“.

Nach der Wasserentnahme kommt das „Hydroschild“ für eine Wasserwand zum Einsatz - genug Havelwasser ist ja im Löschfahrzeug nun vorhanden. „Schaut Euch hier mal um“, fordert Sven die Kinder auf. „Haus an Haus. Was denkt ihr, soll die Wasserwand erreichen?“, fragt er. „Ein Übergreifen des Feuers verhindern“, „das Feuer ersticken“, kommen die Antworten.

800 Liter pro Minute bei einem Druck von fünf Bar kommen aus dem Schlauch, den die Kinder noch richtig über eine Verjüngung an das richtige Rohr anschließen müssen. Nach dem Ruf „Maschinist, Verteiler Wasser marsch!“, geht‘s los. Den Schlauch richtig festhalten und die Wasserwand geht hoch, rund vier Meter hoch, zehn Meter breit. Schnell bildet sich ein Regenbogen. Die Kinder sind begeistert.

Nach dem Rückbau des Hydroschildes geht es mit einem dickeren Schlauch, dem B-Schlauch, weiter. Und dann geht’s aufs Wasser. Thomas Bäck steuert als Maschinist das Werderaner Feuerwehrboot, Oberlöschmeister Florian Kuplin prüft, ob die Schwimmwesten richtig sitzen. Er ist seit 15 Jahren bei der Werderaner Feuerwehr, seit zweieinhalb Jahren bei der Potsdamer Berufsfeuerwehr, zudem Rettungsschwimmer und Rettungssanitäter.

Florian fährt in Richtung Eisenbahnbrücke. Viele Einsätze werden wegen Öl auf dem Wasser absolviert, erzählt er und bezieht auch hier die Kinder ein: „Welche Einsätze könnt Ihr Euch noch vorstellen?“ Alexander und die anderen Kinder wissen eine ganze Menge: „Bootsunfälle, brennende Boote, Verletzte, Bergen von Personen aus Wasser, kaputte Motoren…“.

Das Gespräch wird unterbrochen, als Thomas Gas gibt. „Jetzt mal ordentlich festhalten“, mahnt Florian. „Meistens fahren wir ja raus, wenn Sturm ist. Dann knallt das Boot ordentlich über die Wellen, so wie jetzt“. Denn dann handelt es sich meist um gekenterte Segelboote, deren Führer den Wind unterschätzt haben.

Als Thomas die Geschwindigkeit wieder auf rund zehn bis zwölf Kilometer pro Stunde drosselt, wird es ruhiger und Florian kann den von der erlebten Geschwindigkeit begeisterten Kindern die Technik des Bootes und das Feuerlöschen vom Boot aus erklären. Die „Rettung einer Person aus dem Wasser“ darf natürlich mit einem der Jungs geprobt werden.

Bevor dieser ereignisreiche Tag für den Feuerwehrnachwuchs zu Ende geht, dürfen alle noch baden gehen.

 

 

Foto: Stadt Werder (Havel)/ elfe
Foto: Stadt Werder (Havel)/ elfe

Werder (Havel), 30.07.2020