Wie Studenten die Zukunft des Bahnhofsquartiers sehen

In einem Seminar der Technischen Universität Berlin wurde die städtische Rahmenplanung mit kreativen Ideen gefüllt.

Foto: Stadt Werder (Havel) / hkx
Foto: Stadt Werder (Havel) / hkx

Studenten des Bachelorstudiengangs Stadt- und Regionalentwicklung der TU Berlin haben am Mittwochvormittag ihre Ideen zur Gestaltung des Bahnhofsumfeld der Stadt Werder (Havel) vorgestellt. Angeregt wurden sie dabei von der Ende letzten Jahres abgeschlossenen städtischen Rahmenplanung

Vor dem Hintergrund zentraler Themen für die Stadtentwicklung wie demografischer Wandel, Mobilität, Wohnen und Arbeiten der Zukunft sowie Klimawandel spielten die Studenten in drei Gruppen Ideen für das neue Bahnhofsquartier durch. Das Seminar „Technische und Soziale Infrastruktur“ wurde von Professor Eckhart Hertzsch geleitet. Die Stadtverwaltung unterstützte das Wissenschaftsprojekt, jetzt hörten sich die Praktiker die Ergebnisse an.

Fußballplatz auf dem Dach

Ein elektrisch betriebener Linienfähr- oder Wassertaxibetrieb, die Nutzung von Fassaden- oder Dachflächen zur Begrünung oder Stromgewinnung oder auch ein „Fußballparkhaus“ nach Münchner Vorbild mit Sportanlage auf dem Dach waren Gedanken, die im Seminar eingebracht wurden.  Neue Kinder- und Seniorenbetreuungseinrichtungen, ein Gesundheitszentrum, Gemeinschaftsgärten oder Mikroappartements für Studenten wurden im Bahnhofsbereich gesehen.

Ein Thema war die nachhaltige Nutzung von Regenwasser, etwa zur Bewässerung von Grünanlagen oder als Nutzwasser für Toiletten im Bahnhofsbereich. Ein Vorbild dafür fanden die Studenten in der Marxbox: Das auf dem Dach des Wiener Laborgebäudes gesammelte Regenwasser wird nicht in die Regenkanalisation geleitet, sondern im Umfeld verwendet.

Als eine Art  Schirmtreff mit Bänken dachte eine der Gruppen die Erfindung des „Solar Umbrella“ weiter. In einem großen Pilz integrierte Solarmodule würden demnach gleichzeitig als Schattenspender dienen, in der Nacht als Lichtspender. Um die Aufenthaltsqualität zu erhöhen, wären solche Schirme auch als W-LAN-Hotspots nutzbar.

Christian Große: Stadtentwicklung muss ständig neu gedacht werden

Ein Gedanke lautete, ausgehend vom Bahnhof ein Bikesharing-Angebot zu etablieren, das auch das Ausleihen von Pedelecs oder Lastenpedelecs ermöglicht. Eine weitere Gruppe schlug ein Mobility Hub vor, an dem sich zusätzlich auch Elektroautos ausleihen ließen. Der Ladestrom käme von Solardächern im Bahnhofsumfeld. Weitergedacht wäre hier auch eine Quartiersgarage möglich, in der sich auch andere Nutzungen unterbringen ließen, hieß es aus Gruppe 3.

Werders 1. Beigeordneter Christian Große  dankte den Studenten für die Impulse. Guten Ideen im Umfeld von Eigentumsfragen und gesetzlichen Vorgaben dann praktisch umzusetzen sei eine Herausforderung nicht nur für Privatleute, sondern auch für deutsche Kommunen. Er erinnerte daran, wie beispielsweise der Plan für einen Fährbetrieb in Werder vor einigen Jahren an engen gesetzlichen Vorgaben gescheitert war.

Nach Abschluss des Studiums nach Werder (Havel)!

Die Ergebnisse würden aber auch zeigen,  dass Stadtplanung und Stadtentwicklung Themen sind, die vor dem Hintergrund aktueller Maßgaben und Entwicklungen ständig neu gedacht werden müssen. Sei es beispielsweise in den 1990er- und 2000er-Jahren darum gegangen, wie man vor dem Hintergrund negativer Einwohnerprognosen im Berliner Speckgürtel Infrastrukturen zurückbauen kann, wären die dafür erforderlichen Flächen heute auch in Werder Mangelware.

Die Studenten wurden ermuntert, sich nach Abschluss ihres Studium in Werder zu bewerben, um die eine oder andere Idee in der Praxis vielleicht weiterzudenken. Nicht nur im Bahnhofsumfeld gibt es interessante Aufgaben - und zwei Stellen im Bereich Stadtentwicklung sind gerade frei!

Werder (Havel), 28.04.2022